
Es ist kurz nach Mitternacht, Ortszeit Shanghai. Ich liege wach im Hotel, wie das auf Asien-Layovern so ist. Der Körper denkt, es ist später Nachmittag zu Hause, und hat absolut keine Schlafabsichten. Schlafen geht nicht. Also iPad, Lesen, Recherchieren. Und irgendwann, wie so oft, taucht in meinem Facebook-Feed ein Artikel über die Schilddrüse auf.
Ich scrolle nicht weiter. Denn das Thema geht mich direkt an. Ich habe selbst einen diagnostizierten Hashimoto, seit etwa zwölf Jahren. Damals hatte ich nur einen Zettel mit Blutwerten, den ich beim Spezialisten in die Hand gedrückt bekommen hatte und nicht wirklich verstanden hatte. TSH. fT3. fT4. TPO-Antikörper? Was bedeutet das? Was soll ich damit anfangen? So viele Fragen kamen auf, die ich mir alle selbst beantworten musste, durch Eigenrecherche.
Was ich damals allerdings auch noch nicht wusste: Der Weg zur eigentlichen Ursache meiner Beschwerden, zur Hämochromatose (erbliche Eisenspeicherkrankheit), war noch lang. Die Schilddrüse war die erste Station auf einer Suche, die sich über Jahre gezogen hat.
Dieser Artikel ist keine Erfolgsgeschichte und keine Anleitung. Es ist der Versuch, ein komplexes Organ verständlich zu machen, ehrlich zu beschreiben, was wir wissen, und offen zu lassen, was auch bei mir noch ungeklärt ist.

Was macht die Schilddrüse überhaupt?
Die Schilddrüse ist eine schmetterlingsförmige Drüse unterhalb des Kehlkopfes. Sie wiegt etwa 20–25 Gramm, ist also ziemlich klein. Ihr Einfluss ist es ganz und gar nicht.
Man kann sie sich wie ein kleines Heizkraftwerk vorstellen, das mitten im Körper sitzt und ständig Energie verteilt. Läuft das Kraftwerk auf vollen Touren, fühlt man sich wach, warm und leistungsfähig. Läuft es zu langsam, wird einem kalt, man ist müde, und selbst einfache Aufgaben fühlen sich anstrengend an.
Sie produziert zwei Haupthormone: Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). T4 ist die Speicherform, T3 die aktive Form. Der Körper wandelt T4 nach Bedarf in T3 um, vor allem in Leber, Niere und Muskulatur. Diese Umwandlung (T4→T3) ist kein Automatismus, sondern abhängig von vielen Faktoren: Stressniveau, Schlaf, Nährstoffversorgung, Entzündungsgeschehen.
T3 steuert dann im Körper:
- Grundumsatz und Wärmeproduktion
- Herzfrequenz und Blutdruck
- Darmtätigkeit
- Knochenumbau
- Stimmung und kognitive Leistungsfähigkeit
- Gewichtsregulation
Kurz gesagt: Fast alles, was mit Tempo und Stoffwechsel zu tun hat, hängt an T3. Wenn die Schilddrüse zu wenig liefert, läuft im Grunde der ganze Körper im Sparmodus, auch wenn man das selbst zuerst gar nicht als Schilddrüsenproblem erkennt, sondern einfach als Erschöpfung abtut.
Was bedeuten TSH, fT3 und fT4?
Beim Arzt bekommt man meistens nicht T3 oder T4 direkt gemessen, sondern zuerst den TSH-Wert. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon (Schilddrüsen-stimulierendes Hormon). Es wird nicht von der Schilddrüse selbst produziert, sondern von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) im Gehirn. TSH ist also ein Signal, kein eigentliches Schilddrüsenhormon.
Das Prinzip dahinter ist einfach: Der Körper überwacht ständig, wie viel Schilddrüsenhormon im Blut ist, und regelt nach. Wie ein Thermostat. Die Grafik oben zeigt diesen Regelkreis im Überblick, vom Signal im Gehirn bis zur Wirkung in der Zelle.
Was das in der Praxis bedeutet: Ein hoher TSH-Wert heißt, dass das Gehirn viele Signale schickt, weil zu wenig Schilddrüsenhormon ankommt. Das deutet auf eine Unterfunktion. Ein niedriger TSH heißt, das Gehirn drosselt, weil genug da ist. Das klingt zuerst umgekehrt, ist aber die Logik des Regelkreises.
Daneben gibt es zwei weitere Werte, die wichtig sind:
- fT4 (freies Thyroxin): Das ist die Speicherform. Der Körper wandelt T4 bei Bedarf in T3 um.
- fT3 (freies Trijodthyronin): Das ist die aktive Form. Was in den Zellen tatsächlich ankommt und wirkt. Dieser Wert ist für Symptome oft aussagekräftiger als TSH allein, wird aber nicht immer automatisch gemessen.
Das „Hormon-Trio“ T4, T3 und die Zelle in der Übersichtsgrafik oben zeigt diesen Weg bereits: T4 als Speicher, T3 als aktiver Wirkstoff, die Zelle als Ziel.
Viele Betroffene berichten, dass TSH und fT4 im Normbereich liegen, fT3 aber am unteren Rand. Ob das klinisch relevant ist, hängt von den Symptomen ab. Laborwerte ohne Symptomkontext sagen wenig.
Hashimoto-Thyreoiditis: Autoimmun, nicht immer offensichtlich
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, benannt nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, der sie 1912 beschrieb. Das Immunsystem greift dabei irrtümlich das eigene Schilddrüsengewebe an. Typische Marker im Blut: erhöhte TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper) und/oder TG-Antikörper.
Was viele nicht wissen: Hashimoto verläuft häufig in Schüben. In ruhigen Phasen können die Laborwerte nahezu normal sein. Die Entzündungsaktivität schwankt.
Man kann sich das wie ein Lagerfeuer vorstellen, das mal stärker und mal schwächer brennt. In manchen Phasen flackert es kaum merklich, in anderen lodert es richtig. Genau deshalb kann ein einzelner Bluttest täuschen: Wird er gerade in einer ruhigen Phase gemacht, sieht alles unauffällig aus, obwohl die Erkrankung weiterhin da ist.
Bei mir wurde Hashimoto vor etwa zwölf Jahren diagnostiziert. Ich war zuerst bei einer Heilpraktikerin, die mich dann zu einem Schilddrüsenspezialisten schickte. Er erhob die Antikörperwerte, stellte Hashimoto fest und entschied sich, weil ich bereits naturheilkundlich behandelt wurde, gegen die Gabe von L-Thyroxin. Ich wurde von der Heilpraktikerin begleitet, die Werte stabilisierten sich, und ich habe bis heute kein Schilddrüsenhormon genommen.
Ist der Hashimoto heute noch aktiv? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht genau. Meine Werte sehen nach wie vor unauffällig aus. Was mich aber bis heute beschäftigt: Wie viel von dem, was ich damals als Schilddrüsensymptome interpretiert habe, war in Wirklichkeit schon die beginnende Eisenüberladung durch die Hämochromatose, die erst Jahre später diagnostiziert wurde? Das lässt sich im Nachhinein nicht trennen.
Hashimoto: Was typisch ist
- Müdigkeit, auch nach ausreichend Schlaf
- Kälteempfindlichkeit
- Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
- Haarausfall, trockene Haut
- Verlangsamte Darmtätigkeit
- Stimmungsschwankungen, depressive Phasen
- Konzentrationsschwierigkeiten („Brain Fog“)
- Erhöhte TPO- und/oder TG-Antikörper im Blut
Viele dieser Symptome überschneiden sich mit denen einer Eisenüberladung, Hormonschwankungen in der Perimenopause oder chronischem Schlafmangel. Eine Differenzierung ist nur über Laborwerte möglich.
L-Thyroxin: Was es macht, wann es kommt, was es kostet
L-Thyroxin (Wirkstoff: Levothyroxin) ist eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente in Deutschland. Es ist synthetisch hergestelltes T4, also chemisch identisch mit dem körpereigenen Hormon. Der Körper kann nicht unterscheiden, ob das T4 aus der eigenen Schilddrüse stammt oder aus der Tablette.
Verschrieben wird es vor allem bei einer nachgewiesenen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), also wenn die Schilddrüse selbst zu wenig produziert. Die Einnahme erfolgt morgens nüchtern, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, weil Nahrung die Aufnahme im Darm stört. Die Dosis wird meist langsam eingeschlichen, und es kann Wochen bis Monate dauern, bis die individuell passende Menge gefunden ist.
Bildlich gesagt: Man füllt von außen auf, was die Schilddrüse selbst nicht mehr liefert. Das funktioniert nur, wenn die Dosis stimmt. Zu wenig, und die Unterfunktion bleibt bestehen. Zu viel, und der Körper rutscht in eine künstliche Überfunktion.
Nebenwirkungen treten vor allem bei falscher Dosierung auf. Bei korrekter Einstellung ist L-Thyroxin in der Regel gut verträglich. Bei Überdosierung oder zu schneller Aufdosierung zeigen sich typische Überfunktionssymptome:
- Herzklopfen, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen
- Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Nervosität
- Kopfschmerzen
- Erhöhter Blutdruck
- Zittern, übermäßiges Schwitzen, Hitzeunverträglichkeit
- Muskelschwäche, Magen-Darm-Beschwerden
Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten besonders zu Beginn der Therapie engmaschig begleitet werden, weil das Herz auf Schilddrüsenhormone empfindlich reagiert.
Ein wichtiger Punkt, der oft untergeht: L-Thyroxin wird in Deutschland sehr großzügig verschrieben, auch bei nur leicht erhöhtem TSH ohne eindeutige Symptome (sogenannte latente oder subklinische Hypothyreose). Genau hier ist die Studienlage interessant. Untersuchungen zur Absetzung von L-Thyroxin bei subklinischer Hypothyreose zeigten keine relevanten Unterschiede zwischen Weiterbehandlung und Absetzen, teilweise sogar Verbesserungen bei Müdigkeit und Lebensqualität nach dem Beenden der Therapie. Fachgesellschaften raten daher bei unklarer Indikation dazu, ein Absetzen zumindest zu prüfen.
Kann man einfach wieder aufhören? Nicht eigenmächtig. Wer L-Thyroxin nimmt, weil die Schilddrüse selbst kein oder kaum noch Hormon produziert (etwa nach Teil- oder Komplettentfernung, oder bei fortgeschrittenem Hashimoto), braucht das Medikament dauerhaft. Ein plötzliches Absetzen kann den Körper unkontrolliert in eine Unterfunktion zurückfallen lassen, das ist nicht ungefährlich. Wer dagegen aus Vorsicht oder bei unklarer beziehungsweise grenzwertiger Indikation behandelt wird, kann gemeinsam mit dem Arzt prüfen, ob ein Ausschleichen sinnvoll ist, mit begleitenden Kontrollen der TSH-Werte. Diese Entscheidung gehört immer in ärztliche Hände, nicht in Eigenregie.
Was ebenfalls relevant ist, gerade für Frauen: L-Thyroxin kann mit östrogenhaltigen Verhütungsmitteln interagieren. Wer die Pille neu beginnt oder absetzt, sollte die Schilddrüsendosis gegebenenfalls mit dem Arzt überprüfen lassen.
Was missbräuchlich passiert und wovon ausdrücklich abzuraten ist: L-Thyroxin wird gelegentlich zum Abnehmen eingesetzt, weil es den Stoffwechsel ankurbelt. Das ist weder zugelassen noch sinnvoll und kann das Herz erheblich belasten. Ein schneller Stoffwechsel durch künstlich überhöhtes Schilddrüsenhormon ist kein gesunder Stoffwechsel, der Körper zahlt dafür einen Preis.
Schilddrüse und Schichtdienst: Eine unterschätzte Verbindung
Die Schilddrüse hat einen eigenen Tagesrhythmus. TSH ist nachts höher als tagsüber. Das System richtet sich nach Licht, Schlaf und regelmäßigen Mahlzeiten. Es ist darauf ausgelegt, dass Tag Tag ist und Nacht Nacht.
Wer im Schichtdienst oder auf Langstrecke arbeitet, verschiebt diesen Takt regelmäßig. Was dann passiert, zeigt das folgende Schema:
Was im Körper dabei abläuft, ist nicht vollständig geklärt. Drei Mechanismen werden diskutiert: dauerhaft erhöhte Cortisolspiegel greifen in die Schilddrüsenachse ein, die Melatoninproduktion verändert sich, und Schlafentzug erhöht stille Entzündungsmarker im Blut. Alle drei beeinflussen die Schilddrüse.
Das bedeutet nicht, dass jede Flugbegleiterin eine Schilddrüsenerkrankung bekommt. Aber anhaltende Müdigkeit, Gewichtsveränderungen oder Konzentrationsprobleme einfach als Jetlag abzutun, ohne die Schilddrüse einmal zu checken, wäre zu kurz gedacht.
Die T4→T3-Umwandlung: Wo es still hakt
Es gibt einen Punkt, der im Standardlabor oft unsichtbar bleibt. Selbst wenn TSH und fT4 unauffällig sind, kann die Umwandlung von T4 in das aktive T3 stocken. Das Ergebnis: Die Fabrik produziert, aber das fertige Produkt kommt nicht an.
Bildlich gesagt:
Für mich persönlich ist das ein offenes Kapitel. Ob meine Schilddrüse optimal arbeitet, ob T3 bei mir wirklich ausreichend ankommt und ob das irgendetwas mit meiner Schwierigkeit beim Gewichtsmanagement zu tun hat: Das kläre ich gerade Schritt für Schritt. Mehr dazu, wenn ich belastbare Ergebnisse habe.
Wenn Nebenniere und Schilddrüse gleichzeitig aus dem Takt sind
In den Medien hört man fast immer nur eine Geschichte: zu viel Cortisol, Dauerstress, Burnout. Was dabei fehlt: Es gibt auch den anderen Fall. Die Nebenniere, die nach Jahren im Hochbetrieb nicht mehr richtig liefert. Morgens zu wenig Cortisol, der Anstieg zu flach, der Abfall zu früh. Nicht Überfunktion, sondern Erschöpfung.
Genau das ist das Muster, das ich bei mir im Speicheltest gesehen habe. Und genau dieses Muster hat direkte Auswirkungen auf die Schilddrüse, die im Standardlabor unsichtbar bleiben.
Drei Zusammenhänge, so einfach wie möglich erklärt:
🔋 Die Nebenniere als Akku
Stell dir die Nebenniere als Akku vor, der Cortisol liefert. Cortisol ist nicht nur Stresshormon, es ist auch der Türöffner, der T3 in die Körperzellen hineinlässt (die Grafik oben zeigt diesen Mechanismus). Wenn der Akku leer ist, stehen die Zellen bildlich gesprochen vor einer verschlossenen Tür. Das Schilddrüsenhormon ist zwar im Blut vorhanden, kommt aber nicht an. Im Labor sieht alles normal aus. Der Körper meldet trotzdem: Müdigkeit, Kälte, Antriebslosigkeit.
🗝️ Reverses T3: der falsche Schlüssel
Wenn der Körper unter Dauer-Stress oder Erschöpfung steht, passiert noch etwas Tückisches. Statt T4 in aktives T3 umzuwandeln, produziert er vermehrt sogenanntes reverses T3 (rT3). Das ist eine Spiegelform von T3: chemisch fast identisch, aber ohne Wirkung. Es passt in denselben Schlüssel in das Schloss, dreht sich aber nicht um. Die Zelle denkt, sie ist versorgt. Ist sie aber nicht. Und weil rT3 den Platz besetzt, kommt das echte T3 gar nicht mehr rein. Ergebnis: Erschöpfung, obwohl alle Laborwerte unauffällig sind. Reverses T3 wird im Standardlabor kaum gemessen. Wer es wissen will, muss gezielt danach fragen.
🎻 Derselbe Dirigent für beide
Die HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophyse–Nebenniere) steuert Cortisol. Aber derselbe Hypothalamus schickt auch das Signal TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) zur Hypophyse, die dann TSH ausschüttet und damit die Schilddrüse steuert. Beide Systeme hängen am selben Dirigenten. Wenn der Dirigent erschöpft ist oder den Takt verloren hat, spielen beide Instrumente falsch. Nicht dramatisch falsch. Aber genug, um sich dauerhaft nicht richtig zu fühlen, ohne dass ein Laborbefund einen klaren Befund liefert.
Was das für die Diagnostik bedeutet
Wer nur TSH messen lässt, sieht wenig. Wer nur Cortisol im Blut messen lässt, sieht ebenfalls wenig, weil ein einzelner Wert kein Tagesprofil zeigt. Das sinnvolle Testpanel, wenn man wirklich verstehen will, was los ist:
Das vollständige Bild: Was man testen lassen kann
- Cortisol-Tagesprofil (Speichel, 4 Abnahmen) → zeigt die Kurve, nicht nur einen Momentwert
- fT3 und fT4 → nicht nur TSH
- Reverses T3 (rT3) → selten gemessen, oft aufschlussreich bei Erschöpfung trotz normaler Werte
- DHEA-S → zweiter Nebennieren-Marker, fällt bei HPA-Erschöpfung mit ab
- TPO-Antikörper → prüft, ob Hashimoto gerade aktiv ist
Das Verhältnis fT3 zu rT3 ist dabei oft aussagekräftiger als die Einzelwerte. Nicht alle diese Tests werden von der Kasse bezahlt. Wer sie möchte, muss gezielt danach fragen, manchmal beim Hausarzt, manchmal beim Heilpraktiker oder Funktionalmediziner.
Schilddrüse, Hormone und das große Bild
Die Schilddrüse ist kein Einzelspieler. In den Wechseljahren, wenn Östrogen und Progesteron abfallen, verändert sich auch der Schilddrüsenstoffwechsel. Manche Frauen bemerken erstmals in dieser Lebensphase Schilddrüsensymptome, obwohl die Drüse selbst nicht erkrankt ist.
Ich werde dieses Zusammenspiel aller drei Systeme in einem eigenen Artikel ausführen. Hier und jetzt gilt: Die Schilddrüse allein zu betrachten greift zu kurz. Sie ist ein Instrument in einem Orchester, das einen gemeinsamen Dirigenten hat. Dennoch ist es wichtig, die eigenen Werte zu kennen, um sie später in das große Bild einfügen zu können.
Was ich daraus mitnehme, ohne zu wissen, wie es endet
Inzwischen bin ich längst wieder zu Hause. Shanghai liegt bereits einige Tage zurück, der Jetlag klingt langsam ab, aber die Fragen sind geblieben. Hashimoto, die Hämochromatose, die Frage nach dem Gewicht, die Cortisolkurve, die nächste Blutabnahme. Es ist kein abgeschlossenes Kapitel.
Was ich weiß: Die Schilddrüse verdient mehr Aufmerksamkeit als ein einzelner TSH-Wert. Wer im Schichtdienst arbeitet, postmenopausal ist oder eine Autoimmunvorgeschichte hat, sollte die Werte regelmäßig und vollständig prüfen lassen. Und wer bei unauffälligen TSH-Werten trotzdem Symptome hat, darf nachfragen. fT3 ist die eigentlich entscheidende Zahl.
Und für mich und heute ist die ehrliche Aussage: Ich weiß es noch nicht. Aber ich bleibe dran.
In der Serie „Hormone verstehen“ erkläre ich, was die wichtigsten Hormone tun, was sie stört und warum das im Schichtdienst besonders relevant ist. Die anderen Artikel findest du hier.
Quellen
- Luo, J., Ding, S., Wang, W. et al. (2023): Assessment of the impact of shift work on thyroid disorders: a systematic review and meta-analysis. Sleep and Breathing, 27, 703–708. doi.org/10.1007/s11325-022-02652-9
- Ortiga-Carvalho, T.M. et al. (2016): Hypothalamus-Pituitary-Thyroid Axis. Comprehensive Physiology, 6(3), 1387–1428. doi.org/10.1002/cphy.c150027
- Zimmermann, M.B. & Köhrle, J. (2002): The Impact of Iron and Selenium Deficiencies on Iodine and Thyroid Metabolism. Thyroid, 12(10), 867–878. doi.org/10.1089/105072502761016494
- Apotheken Umschau (2023): L-Thyroxin: Wirkung, Nebenwirkungen, Anwendungstipps. apotheken-umschau.de
- Voigt, K. & Schübel, J.: Levothyroxin bei Hypothyreose – absetzen oder nicht? springermedizin.de, DEGAM-Leitlinie „Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis“. springermedizin.de


